Nischyn. Ukraine. Ehemaliger TU-22 Militärflugplatz.  Flugplatz Nischyn (google) Tu-22K in Nischyn Ehem. Fuhrparkzentrale Ein Stück der Betonmauer um das "Städtchen" Ehem. Kulturhaus ehem. Flugtraininggebäude Verbrettert & vernagelt Ruinen Das Kesselhaus Zentraler Platz Schutzhügel Hoch hinauf.. Auf der Landebahn Bug einer An-30 Maschine Im Bug der An-30 Im Cockpit der An-26 Flugplatz in Nischyn Tu-22 Die “199 ОДРАП” (gesonderte Aufklärer und Fernflieger Einheit) wurde zur Zeit des Zweiten Weltkrieges gegründet und bekam 1953 ihren endgültigen Standort in Nyschin. Die Tupolew-4 wurden etwas später durch die neuen Tu-16R Düsenaufklärer ersetzt. 1964 wurden erstmals die neuen Überschallaufklärer des Typs Tu-22R und Tu-22P (NATO Codename “Blinder” (Foto rechts)) eingesetzt. Diese Flugzeuge wurden hauptsächlich zum Ausspähen feindlicher Positionen mit Hilfe von verschiedenster elektronischer und optischer Technik eingesetzt. Gleichzeitig konnten die Flugzeuge mit Nuklear- waffen bestückt werden. Zur Zeit der Indienststellung in den 60gern, galten die Tu-22 als hochmodernen Maschinen. Die “Blinder” mit ihren zwei Hecktriebwerken ist einzigartig unter den Düsenbombern die damals sowieso eine technische Neuheit darstellten. Zu dem machten die Raketen mit Nuklearsprengköpfen, sowie die leistungsstarke Ausrüstung für elektronische Kampfführung (ECM) die “Blinder” zu einer ernstzunehmenden Gefahr für Schiffe der NATO. Die hohe Geschwindigkeit wirkte sich auf den Verbrauch und damit auf die Reichweite aus, als Lösung hat man die Tu-22 später mit einer Betankungssonde nachgerüstet. Es gab 4 Modelle der Tu-22: Bomber (A,B), Raketenträger (K), elektronische Kriegsführung (P) und Aufklärer (R). Tu-22 RD   199  ОДРАП Tu-22 RDK   199  ОДРАП TECHNISCHE DATEN Typ: Überschallbomber Triebwerk: 2 Turbojet-Nachbrenner- triebwerke RKBM (Koljesow) WD-7M jeweils 160 kN Schub Höchstgeschwindigkeit: 1480 km/h Reichweite: 6000 km Gipfelhöhe: 18300 m Gewicht: leer ca. 40 Tonnen beladen ca. 90 Tonnen Bewaffnung: 9 Tonnen nuklearen oder konventionellen Bomben und Raketen, AS-4 “Kitchen” LB-Raketen 23-mm-Kanone NR-23 im Heck- gefechtsstand Spannweite: 23,75 m Länge: 41,6 m Höhe: 10,67 m Tragflügelfläche: 144 m2 Von insgesamt 400 gebauten Tu-22 sind mittlerweile alle ausgemustert worden. Nach dem Zerfall der Sowjetunion Anfang 90ger, verlor der Flugplatz an Bedeutung. Ein großer Teil der Maschinen wurde nach Russland, den Fortsetzer Staat der Sowjetunion abgezogen. Dem Flugpersonal blieb die Wahl sich in der Ukraine vereidigen zu lassen und zu bleiben, oder der ungewissen Zukunft in Russland ins Auge zu blicken. Das brachte erhebliche soziale Probleme mit sich, da ein Großteil der Offiziere aus anderen Teilen der Sowjetunion stammen. Vielen war die Entscheidung nicht leicht gefallen, andere mussten im für sie bis dahin ungewöhnlichen zivilen Leben Fuß fassen. Die wilden neunziger stellten das ganze Land auf den Kopf. Die letzten Flüge der Tu-22 fanden ausgerechnet in Nischyn unter der Flagge der ukrainischen Luftstreitkräfte bis 1998 statt.  Danach übernahm den Flugplatz das Ministerium für Katastrophenschutz (МЧC). Die restlichen Tu´s wurden einfach verschrottet. Ihren Platz nahmen zivile Propellerflugzeuge des Ministeriums ein. Tu-22RDK der ukrainischen Luftstreitkräfte  Nischyn März 1996 Flugplatz in Nischyn Juni 2011 Wappen des ukrainischen Ministerums für Katastrophenschutz Propeller einer An-26 Die Tu-22 wurde unter einem immensen Zeitdruck durch die NATO - Konkurrenz entworfen. Die Testflüge Ende 60ger wurden nicht ausreichend durchgeführt, viele Systeme inklusive Triebwerke testete man während der Einsatzflüge, nach dem die Maschinen zur Serienfertigung freigegeben wurden. Außerdem hatte die Tu-22 aufgrund des hohen Gewichts und ihrer aerodynamischen Form eine hohe Aufsetzgeschwindigkeit die beim Landen einen gutfunktionierenden Bremsschirm erforderte. Dementsprechend war auch die Anzahl der Havarien sehr hoch. Oft waren die nicht ausgereiften WD-7M Triebwerke die Ursache der Crashs. Erst nach Jahren hatte man die gegen die neuen TRDF RD-7M2 ausgetauscht. Tu-22 RDM Tu-22 UD   199  ОДРАП Bedienkonsole der Kanone im Heckgefechtsstand Tu-22 UD nach der Landung ohne Fahrwerk Varianten der Bewaffnung einer Tu-22R Ehemaliger Kontrollpunkt des "Städtchens" Kontrollpunkt zum Flugplatz Denkmal der 199 ОДРАП Fernfliegereinheit Monument am Kontrollpunkt Statue Sporthalle Wasserturm Der Weg zur jetzigen Kantine ehem. zentrale Leitststelle der Fernmelder Ehem. Soldatenkantine Sauna / Wäscherei Ehem. Offizierskantine Verlassenes Gebäude der ukrainischen Luftstreitkräfte Verlassene Kaserne Funktionierende Kantine Fußballplatz / Sportplatz Ehem. Leitstelle des technischen Dienstes Auf die alte Kaserne wurde ein Stockwerk draufgesetzt Ehem. Feuerwehrwache Fuhrparkgaragen Das Tor zur Landebahn Ehem. Tankstelle Blick auf die Flugtower Flugtower Ausgediente An-26 Mi-8 des ukrainischen Katastrophenschutzes An-26 Ministerflugzeug An-32 des ukrainischen Ministeriums für Katastrophenschutz Ausgediente An-26 und Mi-9 Ausgediente Mi-9 Eine Kuhherde auf dem Flugplatz Arbeitzplatz des Co-Piloten Schubregler Unsere treuen Begleiter Kabine einer An-30 Ukraine Sitzplätze der Fluggäste Arbeitzplatz des Piloten Gewidmet der 199 ОДРАП.... Video: Die Landebahn  Video: Zentraler Platz, Kasernen Video: Die Maschinen Tu-22 UD   Tag der Luftstreitkräfte der UdSSR Tu-22 UD    19.März 1996 Als vor über 20 Jahren die Sowjetunion der Unabhängigkeit seiner einzelnen Staaten und der Illusion von Freiheit zum Opfer fiel, wurden zum Teil mächtige Waffen für ein Bruchteil des Rohstoffwertes unter der Hand weiterverkauft. Die Menschen, die früher für ihren Beruf aus der Überzeugung täglich ihr Leben auf Spiel setzten, verloren alles... Heutzutage weiden auf dem damals streng geheimen und strategisch wichtigen Flugplatz zwischen den veralteten, kaum einsatzbereiten Propellerflugzeugen Kühe... Der gravierender Wandel, der sich hier seit über 5 Jahrzehnten vollzogen hat ist der Leitfaden dieser Reportage - ein Vergleich zwischen damals und heute. Nischyn ist eine mittelgroße Provinzstadt im Nordosten der Ukraine mit einer fast 1000 jährigen Geschichte, die kulturell sehr vielschichtig von mehreren Epochen der Eroberung durch Mongolen, Litauer, Polen und schließlich Russen geprägt war. Ebenso spielte der Handel eine große Rolle in der kulturellen Bereicherung, da die Stadt seit dem 17. Jahrhundert entlang einer wichtigen Handelsrute lag. Nikolai Gogol - ein russischer Schriftsteller zählt zu den mit der Stadt verbundenen Berühmtheiten. Die strategisch wichtige Lage im Westen der Sowjetunion sicherte der Stadt den Anfang einer neuen Epoche in der sich zwei Supermächte mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegenüber standen. Ein solcher Zwischenfall ereignete sich auch in Nischyn: Am 25. Juli 1969 berührten sich während eines Manövers zwei Tu-22 Maschinen. Die drei Besatzungsmitglieder der ersten Maschine katapultierten sich erfolgreich und erklärten bereits 15 min später die Situation dem Bodenpersonal. Der befehlshabende Pilot der zweiten Maschine katapultierte sich ohne dem Navigator und dem Funker Bescheid zu geben. Tragischerweise blieben Funker und Navigator bis zum Absturz in der Maschine... " Wann sollen wir abspringen, Chef?" waren die letzten Funksprüche... Die Maschine zerschellte mit den beiden etwa 100 m vor der Landebahn... Die erste Maschine kreiste währenddessen ohne Besatzung im Autopilot mit dem beschädigten Höhenruder über der schlafenden Stadt. Die angeforderten Abfangjäger trauten sich nicht die immer tiefer fliegende Tu-22 über der Stadt abzuschießen. Sie flog einige zig Meter hoch entlang der Hauptstraße in Richtung Bahnhof wo sie im Sturzflug in einem Moorgebiet für immer verschwand...   Unter dem Kommando des Katastrophenministeriums verlor der Flugplatz jegliche militärische  Bedeutung. An der Einfahrt zum durch eine  Betonmauer eingekreisten "Städtchen", wie man die Siedlung am Flugplatz im Volksmund nannte, ersetzte ein Lebensmittelgeschäft den früheren von Soldaten bewachten Kontrollpunkt. Viele Gebäude die nun nicht mehr für den Flugplatzbetrieb benötigt wurden hat man einfach verkommen lassen, bei einigen sind wiederverwertbare Baumaterialien demontiert und entwendet worden. Der heutige Anblick erinnert in keinster Weise mehr an das geheime Flair der alten Zeiten. Die wenigen hier stationierten Maschinen wirken verglichen mit dem früheren Kontingent etwas grotesk... Ein warmer Tag an einem Sommerwochenende. Der Soldat, der sich bereit erklärt hat uns auf dem Flugplatz zu begleiten, erzählt über damals und heute, und dass bereits sein Vater hier zu Sowjetzeiten gedient hat... Plötzlich stellt sich in unserem Gespräch heraus, dass unsere Väter sich auch kannten. Was sind schon 20 Jahre... So einiges, wenn man sich hier einmal umschaut - selbst einer der hier Jahre lang gedient hat, würde die Gegend in ihrem jetzigen Zustand nicht wiedererkennen. In Deutschland angekommen, versuchen wir mit viel Mühe die heutigen Bilder mit den aus der Erinnerung zu vergleichen, um die Funktionen den einzelnen verfallenen Baracken und Gebäuden  zuordnen zu können...      Das ukrainische Katastrophenministerium setzt ihre wenigen Flugzeuge meistens zur Kontrollflügen über feuergefährdete Waldgebiete ein. Ich kann beim besten Willen keine frischen Spuren entdecken die auf irgendeine kürzlich stattgefundene Tätigkeit oder Flugbetrieb hinweisen würden. Alles ist wie eingeschlafen. Ein paar Rentner buddeln im Vorgarten der ehemaligen Leitstelle der Fernmelder. Das Gebäude wurde von den deutschen Besatzern im Zweiten Weltkrieg errichtet. Nun wird es zu einer Kirche umgebaut... Nach dem wir uns im angenehmen Schatten der Ruinen die Füße einwenig vertreten haben, geht es nun zum Flugplatz. Unterwegs kommen ein paar Gebäude bei den man raten müsste, ob diese heutzutage noch genutzt werden. Ein zugewucherter Sportplatz zeugt nicht unbedingt von vielen sportlichen Aktivitäten hier stationierten Soldaten. Auf meine Frage wie viele Soldaten hier sind und was sie hier tun, bekomme ich eine relativ trockene Antwort: -” Paar hundert sind es wohl. Wenn nicht viel los ist - bauen die Kartoffeln an...” Auf dem Flugplatz läuft uns ein Schäferhund zu. Zwischen den größtenteils nicht flugbereiten Maschinen weidet eine Kuhherde. Das einzige was an die alten Militärzeiten erinnert sind die Schutzhügel, zwischen den früher die Tupolews geparkt wurden. Ich erinnere mich an die Zeit meiner Kindheit, wo genau hier zum Tag der Luftstreitkräfte verschiedene Veranstaltungen und Besichtigungen der Flugzeuge stattfanden. Als Kind durfte man sogar mit Hilfe einer Hebevorrichtung in die Kabine des Piloten oder des Navigators einer Tu - 22 gelangen. Gar keine Frage, gesehen mit den Augen eines Kindes war es eine glückliche, sorglose Zeit... Hier steht auch die An-26 des ukrainischen Ministers für Katastrophenschutz. Bevor ich auf die Idee komme zu fragen, macht unser "Fremdenführer" die Einstiegslucke auf... Als nächstes besichtigen wir die danebenstehende An-30, bei der aus irgendwelchen Gründen beide Propeller fehlen. Bis auf die luxuriöse Innenausstattung der An-26 und den verglasten Bug für Fotoaufnahmen bei der An-30 sind die Maschinen recht identisch. Die finanziellen Schwierigkeiten des Landes sind auch hier deutlich sichtbar. Die Flugzeuge werden nur notdürftig geflogen und gewartet. Das gleiche Problem hat auch das Bodenpersonal zu beklagen - selbst für das Nötigste ist nicht genung Geld da...   Nach den einigen entspannten Momenten im Flugzeug des Ministers und dem kurzen Umschauen auf der Landebahn geht die Besichtigung zu Ende. Wir verlassen den Flugplatz und gehen noch ein Stück entlang der größtenteils verlassenen Kasernen zurück zum Kontrollpunkt. Die Zeiten ändern sich, an diesem Ort bekommt man es besonders deutlich zu spüren. Ein Militärstab verwandelt sich in eine Kirche...Wer weiß schon welche Wende diesem Ort in der Zukunft bevorsteht. Am besten es bleibt alles wie es ist...      Copyright © pripyat.de 2012