Pripjat`s strahlender Untergrund Wie in jeder anderen Stadt gibt es in Pripjat auch unterirdisch gebaute Räume, Kanäle und einfache Keller.  Die meisten Kellerräume in den Wohnhäusern wurden weniger als solche benutzt und stellen eher dunkle Korridore mit vielen Rohrleitungen dar.  Eigentlich wurden bei jeder während des Kalten Krieges erbauten Stadt größere unterirdische Zivilschutzbunker schon im Bauplan vorgesehen. Pripjat macht da merkwürdigerweise eine Ausnahme: solche Einrichtungen sind nicht bekannt. Kleinere Schutzräume sind jedoch in der industriellen Infrastruktur von Pripjat vorzufinden. Der Bunker der Fabrik “Jupiter” wurde nach dem Unfall durch die Übernahme von “Spezatom” in mehrere Labor- und Lagerräume zur Forschung an radioaktiven Substanzen und Dosimetrie eingerichtet. Um sicheren Aufenthalt dort zu gewährleisten sind elementare Schutzmaßnahmen wie Atemmaske etc. empfehlenswert. Ausgerüstet mit mehreren Strahlenmessgeräten steigen wir hinab... Der Weg hinab Kellereingang next step... radioaktive Brühe Vorbereitungen im Eingangsbereich Bekleidungsvorschlag in den Untergrund... Kellerraum Der Eingang zu den Kellerräumen steht unter Wasser, worin sich alle möglichen hier lagernden Substanzen aufgelöst haben. Ein Fehltritt an dieser Stelle bedeutet Kontamination. Links geht es zu einem durch eine Gittertür verschlossenen Abzweig.  Ein paar Schritte weiter meldet sich mein Dosimeter - die eingestellte Alarmschwelle für die Dosisleistung von 20 uSv/h ist nun geknackt. Um die Ecke ist auch schon der Verursacher zu sehen - die berühmte “schwarze Kiste”... Unter Verschluss Über den Inhalt dieser Kiste wurde lange diskutiert. Es gibt jedoch keine zuverlässigen Informationen darüber, was dort  gelagert sein könnte. Die einen glauben, es seien hochaktive Materialien direkt aus den Ruinen des explodierten Reaktors unter dem anthrazit farbenen Sand, der als eine Art Abschirmung dient begraben. Die anderen sagen es sei irgendein Granulat, das als Testquelle für diverse Forschungen benutzt wurde. Wie dem auch sei, Fakt ist, dass alle drei Strahlenarten an der Oberfläche und in einigen Metern Entfernung von der Kiste meßbar sind. Die Kiste ist auf einige andere gestapelt, deren Inhalt ebenso unbekannt ist.    Gamma Scout - 950 uSv/h Beta Sonde FHZ 72T 1,5 rad/h Der Schatz RAM-63 Szintillationsmesser (Alfa - Nachweis) Alfa - Sonde  RAM-63 Die Kiste Es ist gleich um die Ecke... Die Version über die  hochaktive Quelle, die unter dem Absorber-Sand vergraben sein soll, könnte durchaus stimmen. “Spezatom” entwickelte und baute diverse Roboter die ihren Einsatz in den Reaktorruinen leisten mussten. Schleißlich mussten die Entwickler eine hochaktive Quelle gehabt haben, um die Einsatzfähigkeit ihrer Maschinen zu testen. Die Messung mit der Alphasonde eines RAM-63 Szintillators wiederlegt diese Version in meinen Augen. Wenige Millimeter  über der Oberfläche wird eine hohe Alpha Aktivität, die nur von den einzelnen Sandkörner ausgehen kann, gemessen. Die Beta - Messung mit dem SV500, bestückt mit einer FHZ72T Sonde, kann nicht richtig durchgeführt werden - die 20 000 imp/s Skala wird sofort überschritten. Der Zeiger bleibt erst nach dem Schalten von 2 weiteren Messbereichen bei ca. 1,5 rad/h stehen.                             Ein älteres Video aus dem Schutzbunker von Jupiter (August 2009)   Der völlig dunkle Korridor führt zu mehreren weiteren Räumen, die ebenso mit diversen Laborutensilien, unzähligen Bodenproben und anderen radioaktiven Substanzen regelrecht vollgestopft sind. Das Orten bestimmter Gegenstände mit dem Dosimeter erweist sich bei einem homogenen Gammahintergrund zwischen 10 - 20 uSv/h als schwierig. So gut wie alle Oberflächen, als auch der Boden weisen relativ hohe und konstante Beta-Teilchenflussdichte auf. Viele der Bodenproben so wie die Sandkörner aus der oben erwähnten Kiste sind teilweise auch auf dem Boden zu finden. Ein Paar Ersatzschuhe oder zumindest Plastiktüten als Überzug sind hier Pflichtprogramm.   Lagerraum Noch mehr Regale kleiner Vorrat Der Korridor Radioaktivität by bkv7601 Datenblatt einer Bodenprobe Bodenproben aus verschiedenen Orten der Zone Radioaktiv Untersuchungsraum Ein weiterer Raum scheint damals ein Labor gewesen zu sein. Darauf deuten mehrere Schränke die mit verschiedensten bunten Flüssigkeiten in Glaskolben und Pulvern in Dosen gefüllt sind. Auf dem Tisch in der Mitte des Labors liegen ebenso mehrere Petrischalen und andere unbekannte Gegenstände die auf eine Anwendung im chemischen Bereich schließen lassen. Der Inhalt einer Dose ist auf den ersten Blick nicht zu identifizieren: millimeterdicke, münzenartige Metallstücke mit dunkellgrünen und rötlichen Verfärbungen. Ein handgeschriebener Hinweis auf dem Dosenboden klärt alles auf - es handelt sich um Plutonium Quellen. Der RAM-63 Szintillationsmesser detektiert eindeutige Alpha Aktivität. Ein Blatt Papier deckt die sehr kurzwellige Alpha Strahlen des Plutonium Isotopes komplett ab.  Laborutensilien Chemikalien "Altar" Schrank Glaskolben Plutonium 242 Dosimetrist Alpha Strahlungsnachweis Laborkramm Präparate Die Eindrücke der Räumlichkeiten des Kellers von “Jupiter” sind sehr gemischt. Einerseits ist es die Neugier und das Interesse die das Herz eines jeden “Strahlenfreaks” höher schlagen lassen, andererseits erzeugt das Ganze hier unten ein etwas mulmiges Gefühl - meistens reicht schon ein Blick auf die Dosimeter... Unfreiwillig kommen einem Gedanken wie “die Küche des Bösen” oder andere verfilmungsreife Szenarien in den Sinn... Stopp!  Ein paar Räume haben wir noch vor uns...  Die Küche des Bösen Das Küchentisch Auf dem Flur Gegenstand # 4589547 Laborbedarf Im Regal Ex-Schutzbunker von Jupiter Empfangsraum Übergang zum anderen Raum Jupiter´s Untergrund Vor lauter Aufregung fällt es mir nicht leicht die Hand beim Fotografieren ruhig zu halten. Überall liegt alles Mögliche auf dem Boden, vergammelte Rohrleitungen auf Kopfhöhe und andere Stolperfallen machen das Ganze auch nicht leichter. Auch der ewig herrschende Zeitdruck der immer automatisch während der Reisen in die Zone aufkommt, trägt dazu bei, dass man doch irgendetwas verpasst oder übersieht... Ich danke meinen Begleitern für die mir zur Verfügung gestellten Bilder. Gasmaske Aufzug zum Schutzbunker Licht am Ende des Tunnels etwas undefiniertes Die Geister des Untergrunds by bkv7601 Brom.. Himmelfahrtskommando Der Ausgang Kaum das Tageslicht erblickt, wartet auf uns schon der nächste Abstieg in die Finsternis. Das Krankenhaus in Pripjat mit der geheimnißvollen Abkürzung “МСЧ-126” (MSTsch-126, Medizinisch - sanitäre Einrichtung # 126). Hier wurden die ersten Strahlenopfer hergebracht, einer von ihnen starb noch in der gleichen Nacht. Die meisten seiner Kollegen starben einige Wochen später in einer Spezialklinik in Moskau. Die hochkontaminierte Bekleidung der Feuerwehrmänner und des AKW Personals hat man in Eile in den Keller gebracht, wo sie nach wie vor immer noch liegt. Leider bringt der Tourismus in der Zone auch viele negative Erscheinungen mit sich. Abgesehen vom hinterlassenen Müll am “Tag der offenen Tür” (mittlerweile ist dieser Tag, der 9.Mai, abgeschafft), Schmierereien an den Wänden, mutwilligen Zerstörungen usw., gab es unter den Besuchern einige “Übermutige”, die hoffentlich unbewusst hochkontaminierte Gegenstände von ihren eigentlichen Plätzen entwendet haben. Zu solchen Gegenständen gehören mittlerweile auch die Feuerwehrhelme, die ebenso zum Inventar des Krankenhauskellers gehörten. So sollten nach einigen Informationen, diese halbstarken Persönlichkeiten die Helme zwecks Fotografieren aufgesetzt und getragen haben. Der letzte Helm soll zum letzten Mal am Anlegeplatz gesehen worden sein. Später verschwand auch dieser... Am Haupteingang des Krankenhauses liegt ein ledernes Innenteil des Helms in einem Eimer, hier kommt das Dosimeter zum Einsatz...      Pripjat`s strahlender Untergrund:  МСЧ -126. Begutachtung "Pu - experimentelle Muster, 8 Jahre" Innenfutter eines Feuerwehrhelms 0,7 rad/h Flur im MSTsch-126 643 uGy/h Durch den Bunker von “Jupiter” abgehärtet, steht dem weiteren Abstieg nun nichts mehr im Wege... finsterer Ort 20 uSv/h Kellerraum im Krankenhaus Kellerflur Bereits im Kellerkorridor stößt man auf teilweise völlig verrottete Bekleidungsstücke. Hier ist höchste Vorsicht geboten, ich trete auf die gleichen Stellen wie mein Vorgänger. Nach wenigen Metern herumirren in der völligen Dunkelheit, erreichen wir die seitlichen Nebenräume. Der erste ist mit Matratzen überfüllt. Die auf 20 uSv/h eingestellte Alarmschwelle meines Armbanddosimeters meldet sich mit lautem Piepen. Hier unten ist merkwürdigerweise überwiegend Gammastrahlung vertreten.  Jupiter Gamma Master II FAG IM 7001 Matratzen Der Abstieg Schrottjäger Feuerwehrschutzmantel Einzelner Stiefel Feuerwehrstiefeln In einem weiteren Raum befindet sich die Schutzkleidung und Stiefel der Feuerwehrleute. Die Strahlenwerte sind hier auch dementsprechend hoch. Die 20000 imp/s Skala meines SV-500 wird hier genauso wie im Bunker von Jupiter sofort überschritten. Jedoch bleibt der Zeiger erst bei fast 3 rad/h stehen. Dadurch dass sich die Männer in der unmittelbaren Nähe des explodierten Reaktors aufhielten, geht man davon aus, dass die Kleidung nicht nur mit den Spaltprodukten aus dem Reaktor, sondern auch mit den sog. “heißen Teilchen” -  mikroskopisch kleinen Stückchen des bestrahlten Uran-Brennstoffes kontaminiert ist. Das würde die hier extrem hohe Gamma-Strahlung erklären. FHZ72T Beta Sonde 2,7 rad/h Messung SV-500 im Einsatz Feuerwehrschutzkleidung Verrotete Kleidungsreste Kellerraum Der Raum Restliche Bekleidung Pripjats Untergrund Strahlenquelle Oberteil Es ist kein guter Ort für längere Aufenthalte. Nach etwa 5 Minuten verlassen wir den Keller. Ich habe woanders noch nie höhere Werte messen können als hier unten, an den Stiefeln der Feuerwehrmänner. Sie waren definitiv diejenigen, die weitaus  Schlimmeres verhinderten. Ohne zu wissen womit diese Heldentat bald belohnt werden wird. Die ersten Märtyrer unserer technisierten, scheinsicheren Welt, die in der Zukunft durch ihren zunehmenden Wachstum mit Sicherheit neue Opfer fordern wird...      Zurück