LostPlaces/Pripyat.de Tour Mai/Juni 2011 Tag I / II Anfang der neunziger entstand auf dem Gelände der ehemaligen Fischzuchtanlage ein radiologischer Forschungsbetrieb, in dem verschiedene Wasserkulturen sowie Fische auf die Wirkung ionisierender Strahlung untersucht worden waren. Ebenso wurden ständig Wasserproben entnommen und auf die Konzentration der durch den Unfall in das Gewässer gelangten Isotope untersucht. Dieser künstlich angelegte Kühlteich gilt weltweit als eines der am schlimmsten radioaktiv verseuchten Gewässer. Im Wasser und vor allem im Sediment wird wohl das gesamte Periodensystem enthalten sein. Vor ca. 10 Jahren wurde der Betrieb mangels Finanzierung aufgegeben. Beim Rundgang am Ufer gibt es einige interessante Objekte, die ich mit der Kamera festhalte. Das Forschungshaus der experimentellen Fischzuchtfarm Die Halle neben an Die Traubensträucher verdecken den Eingang In der Halle wurden Jungfische gezüchtet Blick auf den Kühlteich Toter Karpfen Futteranlage Futterdosierer? Ich hoffe, dass ein kleiner Stilbruch meinen Berichtkonzept nicht zu stark beeinträchtigen wird. Ein paar Details zum Kühlteich wollte ich trotzdem mal erwähnt haben: Länge: ca.12 km, Breite: ca.2 km, Gesamtfläche: ca.22 km2. Gesamtwasservolumen: 160 Mio. m3. Mittlere Tiefe - 6 m. Tiefste Stelle - 20 m. Ein 25 km langer Damm umgibt den gesamten See. Durch die Mitte wurde ein weiterer Damm gezogen, das verbessert die Wasserzirkulation und sorgt somit für die bessere Kühlung. Der Wasserpiegel des Kühlteiches liegt 7 m höher als der des daneben verlaufenden Flusses Pripjat. Diese Besonderheit sorgt für jährlichen Wasserverlust von bis zu 100 Mio. m3 und beschäftigt die Experten. Als Lösung wird momentan das langsame Absinken des Wasserpegels mit der anschließenden natürlichen Verfestigung des freigelegten Sediments angesehen. Ein rascher Wasserverlust würde grosse Flächen des Sediments freilegen, das wieder rum durch Winderosion den radioaktiven Staub auf große Entfernungen verteilen könnte. Zu den vorkommenden Fischarten werden hier Karpfen, Döbel, Wels, Hecht. Zander usw gezählt. Kurze Zeit vor unserer Reise ist hier ein rätselhaftes Fischsterben beobachtet worden. Es soll nicht an der Radioaktivität liegen, die Fische sind dafür relativ unempfindlich. Man vermutet eher, dass irgendwelche Chemikalien ins Wasser gelangen. Und tatsächlich finden wir einen großen toten Karpfen in der Ufernähe... Die Funktion dieser Konstruktion bleibt unbekannt Weissfisch in der Ufernähe Der mittig verlaufende Damm Es wird Zeit das Gebäude von innen unter die “Linse” zu nehmen. Ein paar Zeitschriften und andere Gegenstände sind mit dem Datum Anfang 2000er versehen. Ich mache eine Ausnahme und fotografiere eine Gasmaske, für diese Gegend ein recht ungewöhnlicher Fund. Die Räumlichkeiten bieten nicht besonders viel. Zu meinem Bewundern finde ich nicht viel Laborbedarf. An einer Tür fehlt die Türklinke. Versuche, die Tür mit Hilfe herumliegender Gegenstände aufzubekommen, scheitern. Zum Glück befindet sich der Raum im Erdgeschoss. Das Fenster ist auf, und wo ein Wille ist, wird auch ein Weg zu finden sein... Meine Vermutungen bewahrheiten sich. Der Raum ist voll mit in Einmachgläsern präparierten Fischen und anderen mir unbekannten Gegenständen. Labor Schallplatte der sowjetischen Rockband "Bravo" Hier lebende Fischarten Ein weiterer Raum Gasmaske Im verschlossenen Raum "Fischkonserven" Ein karpfenartiger Einkonservierte Fischexemplare Auf der Fensterbank Treppenbelag aus Plastik Sicht aus dem Fenster Auf dem Betriebsgelände rund ums Haus finde ich weitere interessante Objekte. Ein an Sr 90 reiches Hirschgeweih, was vor ein paar Jahren noch komplett auf dem Tor hing, liegt jetzt in mehreren Teilen zertrümmert auf dem Asphalt. Ein perfektes  Testobjekt für den Geigerzähler. Ein verlassenes Feuerwehrauto  nahe dem Geweih erweist sich dagegen als ziemlich “sauber”. Alle kontaminierten Fahrzeuge wurden entweder vergraben oder zu einem bewachten Abstellplatz gebracht. Einige Meter weiter entdecken wir ein gepflegtes Denkmal für die im 2WK gefallene Soldaten. Obwohl Yevgen hier mehrmals gewesen ist, sieht er es zu eigenem Erstaunen auch zum ersten Mal. FAG Kugelfischer IM7001 Dosimeter Gamma Scout Online Überdachung auf dem Hof der Farm Militärwagen unbekannte Verwendung Im Inneren des Wagens ZIL 131 Feuerwehrauto ZIL 131 ZIL 131 von hinten Kühlturm - das nächste Ziel "Ewige Ehre den Helden" Denkmal für die im 2WK gefallenen Soldaten WEITERLESEN Ein paar hundert Meter weiter kann man schon den grösseren, von den beiden nicht fertiggestellten Kühltürmen der dritten Ausbaustufe erblicken. Sie sind ein weiteres Objekt auf unserer Liste. Die Mittagshitze ist kaum auszuhalten. Vom Anblick des kühlen Wassers kommt man auf wirklich komische Gedanken, diese idyllische, fast unberührte Natur lädt einen buchstäblich dazu ein... Nein, es ist nun wirklich kein guter Badeort. Ich wische zum x-ten mal den Schweiß von der Stirn und folge unserem Guide... Zuchtbecken Kühlteich Panorama