LostPlaces/Pripyat.de Tour Mai/Juni 2011 Tag I / III Da der Kühlteich nicht weiter vergrößert werden konnte und somit nicht die ausreichende Kühlung bot, mussten für die weiteren zwei Reaktoren der dritten Ausbaustufe zwei weitere Kühltürme errichtet werden. Durch den Unfall 1986 wurden die Bauarbeiten  an den Reaktoren vorerst eingestellt, das gleiche Schicksal traf auch die beiden Kühltürme. Einer von den beiden hat es fast geschafft, zumindest vom Äußeren würde ich es auf ca. 90 % einschätzen. Der andere wurde zu ca. 1/3 fertiggestellt. Einige Zeit später, nach der politischen Wende und dem Zerfall der UdSSR war der weitere Ausbau vom Tisch. Seit dem hat sich hier nicht viel verändert. Die beiden Kühltürme Der "kleine" Kühlturm Der kleine von der anderen Seite Der "grosse" Kühlturm Blick nach oben Gerüst Im Kühlturm Leiter nach oben Einige Meter vor dem größeren Kühlturm meldete sich plötzlich mein Gamma Scout dessen Alarmschwelle auf 5 uSv/h eingestellt war. Die Hintergrundstrahlung auf der Halbinsel der dritten Ausbaustufe schwankt in etwa zwischen 2 und 7 uSv/h, hier zeigte das Gerät Werte im zweistelligen Bereich. Interessanterweise sank die Strahlung wenige Meter weiter auf die für diese Gegend “normalen” Werte. Die Quelle musste sich also entweder auf oder im Boden befinden. Nach kurzer Suche hatten wir den Übeltäter entdeckt - es war ein Stein, oder ein Betonbrocken. Es sah so aus, als ob jemand vor uns versucht hat es auszugraben. Schätzungsweise befand sich der größte Teil des Steines unter der Erde, somit machte die Ausgrabung auch für uns keinen Sinn. Ein mitgeführter RAM-63 Szintillator konnte keine Alfa Aktivität feststellen, von “Betas” und “Gammas” gab es hier jedoch mehr als genug. Die höchsten Werte konnten nicht direkt an der Oberfläche gemessen werden, sondern an der Seite, die durch das Ausgraben freigelegt worden war. Mein SV500 mit der FHZ 72T Sonde zeigte ziemlich genau 150 mRad/h. Die Strahlenquelle Messung mit dem SV-500/FHZ72T ergibt 150 mRad/h Terra MKS-05 vs. Gamma Scout RAM-63 Szintillator mit der Alpha Sonde Null Alpha - Aktivität FHZ72T vs. Gamma/Beta Sonde vom FAG  IM7001 Gamma Scout in action Der größere Kühlturm bietet gerade jetzt einen perfekten Schutz vor der Hitze. Am liebsteb würde ich den ganzen Tag bis zur Dämmerung hier bleiben und abends den Sternenhimmel wie durch ein riesiges Fernglas beobachten. Die Akustik hier drin ist ebenso einmalig, man hat den Drang irgendetwas laut zu schreien oder sonstige Geräusche mit dem überall herumliegenden Schrott zu erzeugen. Genau diesem Wunsch folgt auch unser Fremdenführer: eine alte durchgerostete Öltonne und ein paar Metallrohre werden kurzerhand zu einem Schlagzeug umfunktioniert. Durch den andauernden Schatten ist der Boden reichlich mit Moos bedeckt, das sorgt für relativ hohe Strahlung unter den Füssen. Die Moosflächen zu betreten ist laut Besucherregeln nicht empfehlenswert. Im Inneren des grossen Kühlturms Dampfleitung Vodka? Unten links Detailansicht Moos soweit das Auge sieht... Dampfrohr von rechts Andere Seite des Dampfrohres "Silent Drummer" Gerüst links Dampfrohr von vorn Gerüst in der Mitte Anschluss des Dampfrohres unten links Unten rechts 13 uSv/h Nun geht es endlich zum Objekt “Schutzhülle” oder umgangssprachlich einfach “Sarkophag”. Merkwürdigerweise ist das eines der wenigen Objekte wo es mich nicht unbedingt erneut hinzieht, im Gegensatz zu vielen anderen Orten der Zone, die in verschiedenen Jahreszeiten jeweils einen anderen Anblick bieten. Man bekommt eigentlich immer das Gleiche zu sehen: Ein rostiger Klotz, den man mit vielen kleinen Nettigkeiten wie die gelben Stützgerüste oder gepflegten Tannen neben dem Denkmal und den frischen Blumen zu verschönern versucht. Doch jedes Mal wenn man vor diesem Monument der menschlichen Gleichgültigkeit steht, schießen einem unkontrolliert Tausende Gedanken durch den Kopf: Wie war das wohl damals? Wie würde es wohl jetzt aussehen wenn nichts passiert wäre? Wie hätte man es verhindern können? und so weiter, und so weiter... Und wenn man die Realität wieder unter den Füssen hat, kommt die bittere Erkenntnis, dass alles schon längst passiert ist und niemand etwas daran ändern kann. Die einzige Frage die jetzt noch offen bleibt: Wie viel Leid kostete dieses Denkmal? WEITERLESEN