LostPlaces/Pripyat.de Tour Mai/Juni 2011 Tag I / IV Kurzer Halt einige hundert Meter vor dem wohl weltweit bekanntesten Kernkraftwerk. Von hier aus sieht man es in voller Pracht: Die ersten beiden Blöcke mit den jeweils zehn kleineren Schornsteinen, der dritte mit dem Minisarkophag und der berühmt berüchtigte vierte, oder besser gesagt, das was von ihm überblieb, vom rostigen Stahl und brüchigem Beton umhüllt. Seit über zehn Jahren ist eines der grössten AKWs Europas vom Erzeuger zum Verbraucher geworden. Trotz der Errichtung der neuen Schutzhülle befindet sich das Kraftwerk in der Rückbauphase. Dieser Prozess wird um ein mehrfaches länger dauern, als die dreißig Jahre seiner Lebenszeit  - vom Baubeginn bis zum Abfahren des letzten Blocks.    Gesamtansicht des Lenin AKW Gegenüber dem Kanal Mit dem Rücken zum AKW Dritte Ausbaustufe Hochspannungsleitungen Fütterung der Welse Auf dem Betriebsgelände angekommen, werden von der Eisenbahnbrücke über dem Kanal die Welse gefüttert. An warmen Tagen kreisen mehrere mittlere Exemplare an der Wasseroberfläche in der Hoffnung ein Stück Brot abzubekommen. Die Fütterung der Fische ist seit Jahren zur festen Tradition der AKW Mitarbeiter und Attraktion für die Besucher geworden. Wenige Meter vor uns befindet sich das Verwaltungsgebäude des Kraftwerks. Links davor - die Gedenkstätte der Opfer und das Prometheus Denkmal - das Symbol der Stadt Pripyat das nach dem Unfall vom zentralen Platz demontiert und hierher gebracht wurde. Verwaltungsgebäude (ABK-1) Gedenkstätte vor dem Verwaltungsgebäude Block 3 und 4 im vorbeifahren Von der Brücke zum Verwaltungsgebäude "Prometheus" das Symbol der Stadt Pripjat Brücke über den Kanal Unterwegs zur Aussichtsplattform gelingt mir noch ein Foto der beiden Zwillingsblöcke zu schiessen. Eigentlich sind an dieser Stelle aus Sicherheitsgründen keine Aufnahmen erlaubt. Der Sarkophag oder “Objekt Schutzhülle” wie man es hier in Fachkreisen nennt liegt nun ca. in 200 Meter vor mir. Rein optisch gesehen - ein ziemlich unspektakulärer Anblick, abgesehen von allen anderen Aspekten die ich an dieser Stelle nicht erwähnen möchte. Neben an ist der Bau der neuen Schutzhülle in vollem Gange. Das Fundament für den Montageplatz ist so gut wie fertig, bald wird mit dem Bau begonnen und dann wird dieser Anblick, das Symbol der menschlichen Unvollkommenheit darunter versteckt.   Gesamtansicht mit dem Denkmal Objekt "Schutzhülle" Bis zum nächsten Mal... Dosimeter "Pripyat" Das Team Bauarbeiten am Fundament der neuen Schutzhülle rechts vom Sarkophag Links vom Sarkophag (ХОЯТ-1) AKW Tschernobyl in frühlingshafter Blüte Nächster Halt soll der Güterhafen von Pripjat sein. Doch wieder gibt es eine angenehme Überraschung: Jenseits von Touristenpfaden, ca. einen Kilometer vom Atomkraftwerk entfernt, befindet sich ein kleiner alter Friedhof. Damals, beim Baubeginn des AKW Ende 60ger, gab es hier eine kleine Siedlung, die Menschen hat man umgesiedelt, doch niemand hat sich getraut die alten Gräber und Kreuze zu versetzen. Seitdem wurde hier niemand mehr begraben und mindestens seit 25 Jahren hat hier niemand mehr die Gräber gepflegt oder sich um irgendetwas gekümmert. Das Bemerkenswerte an dieser Gegend ist die, durch die Nähe zum Kraftwerk, sehr hohe Strahlung. Der Friedhof Die Gegend ums AKW Die Schilder sollte man ernst nehmen Das schiefe Kreuz "Das eiserne Kreuz" Friedhofsdschungel Das hölzerne Kreuz Ein weiteres Kreuz Der zerschossene Obelisk Das Kreuz und das Schild "Symbiose des Todes" Holz vs. Metall RIP Im Grass versunken 65 uSv/h Die Friedhofsidylle Der Herr im Hause Die Friedhofskatze Die Atmosphäre dort lässt sich schlecht mit Worten beschreiben. Friedhöfe sind eigentlich sehr ruhige Orte, die Ruhe die hier herrscht ist eine besondere. Es sei denn, man nimmt das nervende Piepen der Dosimeter nicht wahr.  Trotz allem, hier sollte man die Dinger lieber nicht missen... Es ist sowieso ein seltsames, unbeschreibliches Gefühl das jedes Mal aufkommt wenn man einen Friedhof in der Zone besucht. Dieser Friedhof hat seinen ganz besonderen Flair, wodurch auch immer...  Unbekannt, verlassen, verkommen, vergessen... Hier ruhen die Toten nun wirklich in Frieden. Das ist  ein echter, wie man es heutzutage zu sagen pflegt , “lost place”. Doch ganz verlassen scheint es doch nicht zu sein - bei stellenweise 100 uSv/h kommt eine ganz fit aussehende  Katze um die Ecke... Jetzt geht es zum Güterhafen von Pripjat, das vorletzte Objekt auf unserem Programm für den heutigen ersten Tag. Die Sonne steht in einem günstigen Winkel um die Kräne perfekt abzulichten. Wir haben etwas mehr als eine Stunde Zeit. Nun sieht man auch schon zwischen den Baumkronen die rostigen Spitzen der einsamen Wächter... Die Hitze ist nach wie vor unerträglich. Beim herrlichen Anblick des Wassers kommen wieder die verrückten Gedanken sich darin abzukühlen... WEITERLESEN Umspannwerk (ORU-750)