LostPlaces/Pripyat.de Tour Mai/Juni 2011 Tag II / II Auf dem Weg nach Pripjat macht man nach einer alten Tradition einen kurzen Halt am Pripjat Denkmal, welches noch zu Lebzeiten der Stadt gleichzeitig auch das Ortsschild war. Wie fast jedes Jahr wurde das Denkmal auch dieses Mal zum 25. Jahrestag der Katastrophe neu gestrichen. Selbst die gesamte Asphaltdecke vom Denkmal über die Todesbrücke bis hin zum Kontrollpunkt von Pripjat ist neu geteert worden. Na ja, fast die gesamte. Irgendwann in Richtung Tschernobyl reichte entweder die Lust oder das Geld nicht mehr aus. Die letzten Kilometer ließ man im alten, völlig löchrigen Zustand ruhen. Aber auch nicht ganz: die frische Mittellinie hat man bis zum Ende, über die alten Schlaglöcher tapfer durchgezogen. So fällt wohl der Übergang nicht so schnell auf - hat man sich wahrscheinlich gedacht.       Pripjats "Stella" (Ortsschild) Linienbus in Pripjat Erneuerte Asphaltdecke der Todesbrücke Richtung Kontrollpunkt Pripjat "Pripjat 1970" Die Nähe zum AKW Richtung Bahnstation Janiw "Die Todesbrücke" Nach einem Check geht die Schranke des Kontrollpunktes “Pripjat” hoch und wir fahren in die Stadt hinein. Es ist immer wieder dasselbe Gefühl, wenn man entlang der Lenin Straße in die Stadt kommt. Dichtes Grün verdeckt noch die leeren Fenster der verlassenen Wohnhäuser. Das vor wenigen Jahren aufgestellte orthodoxe Holzkreuz wiederspricht dem verfallenen, sowjetisch geprägten Flair. Wenige Meter weiter findet man sich auf dem Zentralplatz mit allen bekannten Gebäuden wieder.  Zentraler Platz Hotel "Polessje" Kulturpalast "Energetik" Die Natur hält immer mehr Einzug Blick aus dem Kulturpalast Ein Raum im Kulturpalast Die Sporthalle im "Energetik" Blick auf den Rummelplatz Blick aufs Hotel Rummelplatz Karussel Riesenrad links unten Riesenrad rechts unten Hotel “Polessje” und Kulturpalast “Energetik” - sind die Anlaufstellen der heutigen Geisterstadt. In den letzten Jahren hat sich hier bis auf wenige mutwillige Zerstörungen und den normalen Verfall wenig getan. Wir schlendern  durch die Räumlichkeiten des Kulturpalastes. Zum ersten Mal betrete ich den Raum mit der größten Ansammlung von Propagandarelikten in Pripjat und der gesamten Zone: Von Bildern der Parteifunktionäre bis hin zu den Anti-Alkohol Kampagnen - Plakaten ist hier so ziemlich alles vertreten. Danach geht es in die Aula. Alle wichtigen sozialen und kulturellen Ereignisse in Pripjat fanden damals genau hier statt.  „Gesamtsowjetischer Leninscher Kommunistischer Jugendverband“ Marke "Selbstgebrannt" "Lernen, Lernen, Lernen" W. I. Lenin 1922 + 60 = 1982 "Das Atom" Parteigenosse # 1 Parteigenosse # 2 Parteigenosse # 3 Die Aula von der Bühne aus Scheinwerfer Die Bühne "Wächter des Lichts" Jetzt ist das Hotel an der Reihe. Auch hier hat sich in letzten zwei Jahren nicht viel getan. Einige Gegenstände sind nicht an ihren alten Plätzen wiederzufinden. Plötzlich tauchen sie woanders auf, oftmals geschieht es um irgendetwas fotographisch in Szene zu setzen. Für uns hält das Hotel auch eine kleine Überraschung parat - vor zwei Tagen waren hier zwei meiner Bekannten aus Russland unterwegs, die als  nette Geste eine Flasche des Nationalgetränkes, eine Dose Sprotten und ein mit viel Mühe geschriebenen Brief in deutscher Sprache in einem Raum des Hotels für uns versteckten. Die Beschreibung des Verstecks bekam ich per SMS am Abend davor...  Aussichtsbalkon vom Hotel Alle Räume im Erdgeschoss wurden nach der Evakuirung  alarmgesichert Das Gebäude des Stadtsrates Im Treppenhaus Schriftzug "Restaurant Pripjat" Ein Hotelraum Der einzige Hotelbewohner Blick aus dem Hotel Der berühmte Balkon vom Hotel, die Birke die durch die Fliesen wächst, die Fliesen. Mir kommt es vor, als ob hier jemand jedes Mal den Boden wischt. Die ganze Stadt ist verfallen, alles hat seinen Glanz verloren. Nur die Fliesen nicht. Zu jeder Jahreszeit sehen sie wie neu aus... Im Gegensatz zu den Stühlen. Der Zahn der Zeit hat an ihnen sichtliche  Spuren hinterlassen. Die Birke ist seit dem auch kaum gewachsen. Es ist sowieso ein Wunder, dass die hier überhaupt gedeihen kann... "Die Stühle" Willkommen in Pripjat Blick auf den zentralen Platz Die Birke Auf dem Dach des Hotels "Polessje" "Der stumme Schrei" Balkonaussicht "Für Bioabfall" Das "Lenin" AKW Blick auf den Hafen "Stille" 3 km Luftlinie Der Rummelplatz. Einst ein Ort der Freude und des Vergnügens bietet für diese Jahreszeit einen recht gewöhnlichen Anblick: Die strahlend gelben Gondeln des Riesenrads glänzen im Kontrast zu der rostigen, beängstigend unstabilen Stahlkonstruktion. Wie lange noch wird es der Natur, die die Stadt immer fester im Griff hält standhalten? Wie lange wird noch dieser jetzt schon kaum zumutbare Zustand der Stadt erhalten bleiben? Um trübe Gedanken zu vertreiben hohle ich die Kamere heraus...     Autoscooter Das Riesenrad Plüschhase 50 uSv/h Fleck um den Gullideckel Wir entschließen Schutz vor der prallenden Mittagssonne in den Hallen und Räumen von “Jupiter”, einer verlassenen Fabrik in Pripjat zu suchen. Die unzähligen Büro- und Laborräume können beim genaueren Erkunden mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Durch die Abgelegenheit und den großen Vorrat an wiederverwertbaren Stoffen geriet “Jupiter” in der Vergangenheit  immer öfter ins Visier der “Metallisten”, so werden hier die halblegalen Schrottjäger genannt. WEITERLESEN